Rekonstruktion der Harzhornschlacht

Was ist aber nun am Harzhorn geschehen? Die Lage des Schlachtfeldes ist bemerkenswert: Es handelt sich um die engste Stelle an einer überregionalen Trasse von Norddeutschland in die hessische Senke und damit in die Provinz Obergermanien. Durch dieses verkehrliche „Nadelöhr“ verlaufen noch heute die Bundesstraße 248 und die Autobahn 7. Der Höhenzug Harzhorn ist von den Germanen mit klarem Blick für die strategische Situation gewählt worden, wohlwissend, dass der römische Heereswurm durch diese Engstelle und über den Höhenzug Harzhorn marschieren musste.

Angriff und Gegenangriff

Für die Römer völlig überraschend griffen kurz aufeinanderfolgend oder gleichzeitig Germanen die schwer beladenen Trosskarren an. Dieses führte zu einem groß angelegten Gegenangriff römischer Fußtruppen und leichter Reiterei, unterstützt durch massiven Einsatz von leichten Torsionsgeschützen und Auxiliareinheiten. Die Germanen wurden unter Verlust eines Teils ihrer Beute in die Flucht geschlagen, sodass die römischen Einheiten, die sich vermutlich auf dem Rückweg von einem groß angelegten Feldzug befanden, der vielleicht bis an die Elbe geführt hatte, ihren Marsch in das Leinetal und über den schon in augusteischer Zeit genutzten Aufmarschweg durch Hessen zum Stützpunkt Mogontiacum (Mainz) fortsetzen konnten.

Der römische Feldzug, der am Harzhorn belegt werden kann, blieb eine Episode – wohl nicht die einzige. Im Jahr 260 überrennen germanische Einheiten den Limes, und die rechtsrheinischen Gebiete werden in Folge mehr und mehr von Germanen übernommen.

Mit den Funden vom Harzhorn steht die römische Germanienpolitik des dritten Jahrhunderts in einem anderen Licht da. Bislang war die Forschung überwiegend davon ausgegangen, dass nach der Varus-Schlacht 9 n. Chr. und der Beendigung des Versuchs der Eroberung Germaniens 16 n. Chr. die Römer nicht mehr so massiv in Germanien interveniert haben. Die Harzhornfunde zeigen jedoch eine römische Armee, die auch in den Jahren um 235 n. Chr. ihre Interessen weit im Norden Germaniens noch nachdrücklich militärisch verfolgte.

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