• Römische Dolabra (Pionieraxt) mit Inschrift „Leg IIII“

  • Römischer Zelthering

  • Handmühle

Der Transport des schweren Gepäcks

Ein Feldzug tief in das germanische Feindesland erforderte eine gut organisierte Logistik, deshalb gehörte auch ein Tross zum römischen Heer. Futter für die Reit- und Lasttiere sowie Nahrungsmittel und Ausrüstungsgegenstände für mehrere tausend Mann mussten befördert werden. Während der römische Soldat seine Waffen, Rüstung, Kleidung, Proviantrationen und Kochgeschirr selbst mit sich führte, übernahmen Saumtiere und von Maultieren gezogene zumeist zweirädrige Karren den Transport des schweren Gepäcks, der Getreidevorräte und der Handmühlen. Ein zunächst unscheinbares Eisenobjekt im Fundmaterial konnte als „Mitnehmer“ einer solchen Getreidemühle identifiziert werden. Diese hochwertigen Handmahlsteine waren bei den Germanen sehr beliebt und gelangten auch als Handelsgut in großer Zahl in die Germania Magna.

Pioniergeräte

Auf einem Feldzug führten die Soldaten spezielle Pioniergräte mit, die als Universalwerkzeuge zum Wege-, Brücken- und Lagerbau, zum Holzfällen wie zum Schanzen genutzt wurden. Diese schweren Schanzwerkzeuge und die Mannschaftszelte, aber auch Geschütze und große Mengen an Reservemunition wurden ebenfalls auf den Trosskarren befördert. Nicht zuletzt dienten die Karren auch zum Transport der erbeuteten Waren und Wertgegenstände. Zur Ladung gehörten Eimer, Kisten und Truhen, von denen u.a. Zeltheringe, Eimerhenkel und Schlüssel gefunden wurden.

Zugtiere und Karren

Durch das geraubte germanische Vieh und die schwer beladenen Karren kam der Tross auf dem Rückmarsch nur langsam und schwerfällig voran und bot somit ein leichtes Ziel für einen germanischen Überfall und dem Angreifer Aussicht auf reiche Beute. Die Plünderung und das zu Bruch gehen der voll beladenen Karren lässt sich an Hand von zahlreichen gefundenen Objekten am Harzhorn nachvollziehen. Funde von Wagenteilen, Achsnägeln, Verbindungsbolzen und Splinte zeigen die Dramatik des Kampfgeschehens. Die römischen Transportkarren waren bereits mit beweglichen Vorderachsen ausgestattet, wie Funde von Reibnägeln zeigen.

Im Fundmaterial befinden sich umfangreichen Metallfunde von der Schirrung und Zäumung der Zug- bzw. Maultiere. Zahlreiche Anschirrungsteile wie Jochbügel und zum Joch gehörige, in Originallage mit Holzresten erhaltene Haken, wurden erfasst. Ein Aufsatz aus Bronze, der in einem hölzernen Joch verankert war, diente zur Führung der Zügel. Auf die widerstandsfähigen Maultiere verweisen auch die Hipposandalen, ein sandalenartigen Hufschutz, der ausschließlich aus römischem Zusammenhang bekannt ist. Diese sorgten zum einen für mehr Trittsicherheit des Tieres und schützten zum anderen den Huf vor übermäßiger Abnutzung im unwegsamen Gelände. Das Anlegen des Schuhs an den Huf erfolgte mit Hilfe von Lederbändern, die durch die Ösen bzw. Haken geführt und dann fest mit dem Fuß verschnürt wurden.

Zügelführung

Handwerker und Verwaltung

Militärhandwerker begleiteten den Tross, um zu gewährleisten, dass Reparaturen an der Ausrüstung und den Waffen schnell ausgeführt werden konnten. Jede Einheit verfügte über genügend Werkzeuge, um für alle denkbaren Eventualitäten gerüstet zu sein. Sowohl die große Anzahl an gefundenen Schuhnägeln als auch Hammer und Amboss eines Schusters spiegeln den enormen Verlust bzw. Bedarf an neuen Schuhnägeln auf dem Marsch wider.

Besonders überraschend sind die Funde von zwei Stechzirkeln, die im Handwerk dazu dienen, genaue Maße auf ein Werkzeug zu übertragen oder auch um Distanzen auf einer Karte abzugreifen. Vielleicht ein Hinweis auf eine mitgeführte Vermessungseinheit, die die ideale Marschroute und den geeigneten Platz zum Aufschlagen des Nachtlagers lokalisieren sollte.

Die Funde eines Tintenfassdeckels und eines Schreibgriffels weisen auf mitgeführte Schreiber bzw. Verwaltungsbeamte hin. Diese sorgten auf dem Marsch für die Zuweisung von Nahrungsmittelrationen und den reibungslosen Ablauf bei der Verteilung von Beutegut.

Stechzirkel (insitu)

Tintenfassdeckel (insitu)

Weitere Funde:

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