Info-Point I

Wie alles begann

Das Info-Gebäude

Ereignisreiche Geschichte trifft moderne Architektur! Um der „Römerschlacht am Harzhorn“ dauerhaft Gestalt zu verleihen, ist in Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro K17 steingräber.architektur ein modernes Infogebäude am Beginn des Infopfads entstanden.

Da das Infogebäude nur bei Führungen und Veranstaltungen begehbar ist, finden Sie hier die wichtigsten Hintergrundinformationen.

Abbildung: Infogebäude im Raps, Foto H. Gilhaus

Das Info-Gebäude

In seiner Formensprache spiegelt das Gebäude die Schlacht der Germanen gegen die Römer wider: Zwei aus dem Erdreich stoßende, skulpturale Wandscheiben aus rustikalem Eichen-Vollholz und goldfarbenem Metall symbolisieren die beiden Gegner. Das architektonische Konzept setzt sich bei der Darstellung der Info-Stelen im Wald fort. Im Infogebäude selbst informiert ein Ausstellungsraum über den spektakulären Fundplatz.

Abbildung: Detail Infogebäude, Foto H. Gilhaus

Die Entdeckung

Im Jahr 2000 stießen zwei Hobbyarchäologen aus dem Landkreis Northeim auf dem Areal der heutigen Römerschlacht auf mehrere unspezifische Funde, die sie im Sommer 2008 der Kreisarchäologin Dr. Petra Lönne vorlegten. Neben wenig spektakulären Eisenfunden, befand sich unter dem Material auch eine Hipposandale, die zum Initialfund wurde. Der sandalenartige Hufschutz für Maultiere ist ausschließlich aus römischen Zusammenhängen bekannt.

Abbildung: Die Entdecker, Rolf-Peter Dix (links) und Winfried Schütte (rechts) an der Fundstelle Harzhorn im Jahre 2008 (Foto: P. Lönne, LK NOM)

Forschung

Seit 2008 wird das Harzhorn großflächig untersucht. Durch regelmäßige Ausgrabungen und weitläufige Prospektionen konnten hier bis heute über 2700 Funde sichergestellt werden, die Aufschlüsse über die Datierung und das Ausmaß des Schlachtfeldes geben.
Abbildung: Kreisarchäologin Dr. Petra Lönne (Foto: S. Grünewald, Göttingen)

Forschung

Am Beispiel des Harzhorns ist es der Forschung erstmals möglich, durch die Dokumentation der genauen Lage von Projektilen wie Katapultbolzen, Speer- und Lanzenspitzen, den Ablauf eines antiken Gefechtes in Teilen nachzuvollziehen. Persönliche Ausrüstungstücke, Schuhnägel, Pferdegeschirr, Schanzwerkzeuge, Zeltheringe und Wagenteile ergänzen das Bild vom Ablauf und Geschehen der Kämpfe.
Abbildung: Grabungen der Freien Universität Berlin, Foto P. Lönne, LK NOM

Germanische Übergriffe 233 n. Chr.

Ab 231 n. Chr. bedrohten germanische Stämme die Limesgrenzen am Rhein, so auch die heutige Wetterau, wo sie 233 n.Chr. ganze Siedlungen und Militärlager zerstörten. Der römische Kaiser Severus Alexander antwortete mit einem Straffeldzug nach Germanien. Zwischenzeitliche Friedensverhandlungen mit den Germanen führten jedoch zur Revolte der eigenen Soldaten, die den Kaiser ermordeten und die Offensive mit dem neu ernannten Soldatenkaiser Maximinus Thrax fortsetzten.

Abbildung 1: Severus Alexander, Denar, 225 n. Chr. – Av.: Kopf des Kaisers nach rechts, IMP C M AVR SEV ALEXAND AVG. Fund-Nr. 3212 (Urheber: G. Steckhan, LK NOM)
Abbildung 2: Severus Alexander, Denar, 225 n. Chr. – Rv.: Mars rechts mit Lanze und geschulterter Trophäe, PMTRP IIIICOSPP. FundNr. 3212 (Urheber: G. Steckhan, LK NOM)

Der Feldzug nach Germanien

235/236 n. Chr. startete Kaiser Maximinus Thrax eine groß angelegte militärische Offensive in das Innere Germaniens. Auf dem Rückmarsch in das Winterquartier nach Mogontiacum (Mainz) kam es am Harzhorn vermutlich zu einem germanischen Überfall, da der Weg der Römer für die Germanen aus topographischer Sicht weitgehend vorhersehbar und somit planbar war.

Abbildung: Karte der Römischen Provinzen im 3. Jh. n. Chr.. Urheber: Braunschweigisches Landesmuseum, Dirk Fabian, ingraphis – Informationsdesign und Kartographie, Kassel

Rekonstruktion einer Schlacht

Als die Römer auf dem Weg nach Süden am Harzhorn einen max. 200 m breiten Durchgang passierten und der Tross den Höhenrücken erreicht hatte, griffen die Germanen aus dem Hinterhalt an und verwickelten die Legionäre in zahlreiche Gefechte. Um die Trosswagen entbrannte ein heftiger Kampf, von dem Ausrüstungsteile und gefundene Plündergut-Reste zeugen. Die Römer formierten sich schnell, brachten Ihre Bogenschützen und Torsionsgeschütze in Stellung und konnten die Angreifer unter Verlust eines Teiles ihrer Beute in Richtung Westen vertreiben.
Abbildung: Römischer Legionär am Tross (Urheber: Braunschweigisches Landesmuseum, Zeichnung Boris Burandt, Köln)

Harzhorn und Kahlberg

Durch die Forschungen am Harzhorn können mittlerweile sogar einzelne Gefechtssituationen der Römerschlacht rekonstruiert und Standorte von Torsionsgeschützen und Bogenschützen bestimmt werden. Auch die Plünderung einzelner Trosskarren und Einzelgefechte spiegeln sich in den Funden wider. Nur etwa 2 km südlich am Kahlberg konnte ein zweites Gefechtsfeld erfasst werden. Funde wie ein Denar mit dem Portrait des Kaisers Severus Alexander belegen den Bezug zum Harzhorn.

Abbildung: Kartierung der Funde von Harzhorn und Kahlberg (NLD u. G. Steckhan, LK NOM)

Überfall am Kahlberg

Als sich die römischen Transportkarren beim Abstieg zu einer Quelle am Kahlberg stauten, wurden die Römer erneut von den Germanen angegriffen. Zahlreiche Schirrungsteile von getöteten Maultieren, Reste von Wagenladungen, Helmteile und Beschläge deuten auf schwere Verluste auf römischer Seite hin. Daraufhin folgte vermutlich eine Attacke der römischen Reiterei, da auf dem Areal zahlreichen Speerspitzen gefunden wurden. Nachfolgende Fußtruppen sicherten den Tross und der Marsch nach Süden wurde fortgesetzt.
Abbildung: Dolabra (Pionieraxt) mit Inschrift (Foto: T. Deutschmann, NLD)
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